Perlmuttdose mit Metallrand
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Für mich sind diese Tigerin und ihr Junges in erster Linie eine kraftvolle Skulptur, die zufällig auch ein Siegel ist. Die Tigerin sitzt auf einem rechteckigen Steinblock, das Junge an sie geschmiegt vor ihr. Die Skulptur selbst ist fast so hoch wie der Steinblock. Die Unterseite des Blocks, in die das Siegel geschnitten war, wurde abgetragen, sodass die Fläche neu graviert werden kann. Ich habe die Skulptur in Hongkong bei einem Mann erworben, den ich über die Jahre immer wieder besucht habe.
Die Tigerin thront auf einem Sockel, oder einem hohen Berg, und blickt hinab, mit unglaublich muskulösem Rücken und Nacken. Das Tier bewacht sein Junges. Ihr Gesicht ist nicht angriffslustig, warnt aber davor, ihr zu nahe zu kommen: Sie zeigt warnend die Fangzähne. Auch das Junge blickt nach unten und ahmt den Ausdruck der Mutter nach, die Hinterbeine verspielt auf deren grosse Vorderpranke gestellt. Der Tiger ist in China das Symbol für Energie und Kraft. Diese Steinskulptur zieht die Blicke auf sich, und ich habe ihre stolzen Züge als Buchstütze über meinem Schreibtisch aufgestellt. Mit anderen Worten: Es wird mich traurig machen, mich von dieser Tigerin und ihrem Jungen zu verabschieden, die meine Bücher so gut bewacht haben!
Die Schnitzerei ist aus Shoushan-Stein, einem Agalmatolith, einem roten Stein mit weisser Färbung. Der Stein ist nach dem Dorf Shoushan benannt, wo er traditionell abgebaut und seit über tausend Jahren für Siegel verwendet wird. Er zählt traditionell zu den vier Siegelsteinen Chinas. Dieser ist besonders schön, denn der Steinblock ist dunkel bräunlich-rot, während der Kopf der grossen Tigerin vom rosigen Rot am Hals in reines Weiss im Gesicht übergeht. An den Kanten ist der Stein gegen das Licht gehalten durchscheinend.
Ich liebe die Glätte des Steins, und man erkennt leicht, dass er benutzt wurde: Die vielen Berührungen menschlicher Hände, die den Körper der Tigerin beim Siegeln hielten, haben den muskulösen Tierkörper poliert, nur nicht den Kopf. Das ergibt Sinn, denn die Figur liegt so in der Hand, dass der Kopf der Mutter ganz natürlich aus dem Bogen zwischen Daumen und Zeigefinger auf die Welt hinabblickt.
NB: Ist der Tiger eher die Mutter als der Vater? Ich habe das Tier als weiblich beschrieben und hoffe, dass das stimmt!
DB